Die Straße wurde 1872 nach dem preußischen Beamten und Politiker Christian Peter Wilhelm Beuth (1781-1853) benannt, der Mitglied der antisemitischen “Deutschen Tischgesellschaft” war und sich gegen die rechtliche Gleichstellung von Juden_Jüdinnen aussprach.

Beuth trat 1801 in den preußischen Staatsdienst ein. 1821 gründete Beuth die “Technische Gewerbeschule” in Berlin und wurde in den preußischen Stadtrat aufgenommen. Er reformierte das preußische Patentwesen und fungierte 1830 zusätzlich als Direktor der “Allgemeinen Bauschule”.

Antisemitismus

Beuth gilt als Förderer und Wegbereiter der preußischen Industrie. Nicht zu vergessen ist allerdings seine Arbeit im preußischen Staatsrat, wo er aktiv bei Gesetzgebungen mitwirken konnte. In seinen Jahren als Staatsrat von 1821–1845 hatte er einen direkten Einfluss auf zahlreiche Juden_Jüdinnen betreffende Gesetze. Problematisch ist hierbei Beuths antisemitische Ideologie. Schon 1811 äußerte er in einem Gutachten zum 1812 geplanten “Juden-Edikt” seine Meinung, dass Juden_Jüdinnen keine neuen Handelsgewerbe mehr eröffnen dürften. Zudem schlug er vor, die Einwanderung ausländischer Jüdinnen und Juden stark einzuschränken. Das schließlich in Kraft tretende Edikt nahm Beuths Anmerkungen nicht auf und stellte Jüdinnen und Juden in Preußen weitestgehend nicht-jüdischen Menschen gleich. Jedoch wirkte Beuth selbst über 20 Jahre aktiv judenfeindlich auf die preußische Gesetzgebung.

Beuth wurde 1811 Mitglied der christlich-konservativen “Deutschen Tischgesellschaft” (1811–1836), der zahlreiche elitäre preußische Politiker, Schriftsteller, Kaufmänner und viele weitere angehörten. Die Teilnahme von jüdischen Personen – auch getauften – war laut Satzung ausgeschlossen. Bei einer Sitzung dieser Tischgesellschaft 1811 hielt Beuth eine außergewöhnlich antisemitische Tischrede, die selbst den konservativen Anwesenden aufstoß. In seiner Ansprache rief Beuth zum Ausschluss und zu Gewalttaten gegen jüdische Menschen auf.

Aufarbeitung

Bereits in der 1912 erschien die Quellenedition “Die Emanzipation der Juden in Preußen” von Historiker und Jurist Ismar Freund (1876–1956), die ein Gutachten Beuths enthält was  seine ablehnende Haltung zum Judentum offenlegt. Diese Edition blieb allerdings lange unbeachtet. 2003 veröffentlichte der Historiker Stefan Nienhaus sein Buch “Geschichte der Deutschen Tischgesellschaft”, in dem Beuths Antisemitismus klar hervortritt.

Hochschule umbenannt

2009 – also sechs Jahre nach Nienhaus Veröffentlichung – wurde die “Technische Fachhochschule Berlin” in “Beuth Hochschule für Technik” umbenannt. 2017 stößt Prof. Achim Bühl über eine Nienhaus Veröffentlichung und die darin enthaltene Ansprache Beuths. Auf seine Initiative und eine Stellungnahme von Bühl, in dem er die Umbenennung der Hochschule empfiehlt, gab die Hochschule ein Gutachten bei den Historikern Jörg Rudolph und Christian Schölzel (HU Berlin) in Auftrag. Das Ergebnis dieser Untersuchung bestätigte, dass Beuths Aussagen auch im zeitgenössischen Kontext als judenfeindlich anzusehen sind.

Auf Basis dieses Gutachtens gründete sich eine Initiative zur Umbenennung der Hochschule. Jedoch sträubte sich die Hochschule und insbesondere der ehemalige Präsident Reinhard Thümer, der Beuths Antisemitismus anzweifelt. In einer Abstimmung im Januar 2020 wurde die Umbenennung der Hochschule trotz vehementen Widerstands beschlossen und nach einem offenen Namensfindungsprozess im Oktober 2021 in “Berliner Hochschule für Technik” umbenannt.

In Berlin ist noch eine Straße in Mitte und eine in Pankow nach Beuth benannt. Die BVV in Pankow hat eine Prüfung des Straßennamens 2020 eingeleitet. Bis jetzt (Stand: Juni 2022) wurde noch keine weitere Entscheidung getroffen.

Unsere Empfehlung

Wir schließen uns der Meinung der “Berliner Hochschule für Technik” an, dass Beuth als unkommentierter Namenspatron nicht tragbar ist.

Literatur