WERKSTADT – Aktivismus, Kritik und Aktionen zu Straßen­namen

Straßenlärm im FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum

Seit dem 11. Juni könnt ihr im FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum einen Ausstellungsraum von uns entdecken. Im Rahmen der Ausstellung „umbenennen?! Geschichte der Straßennamen in Friedrichshain-Kreuzberg” durften wir die WERKSTADT entwickeln.

Dieser Raum ist für alle, die auf Aktionen stehen oder sich mit offiziellen Anträgen für Veränderung im Stadtraum stark machen wollen. Willkommen sind alle Archiv-Detektiv*innen, die gerne auf historische Spurensuche gehen, und alle kreativen Geister, die es bevorzugen, sich künstlerisch auszudrücken.

Auch all jene, die Umbenennungen kritisch sehen oder sich mit dem Thema noch gar nicht beschäftigt haben, sind herzlich eingeladen. In der WERKSTADT könnt ihr euch über Aktivismus, Straßennamen und Erinnerungskultur informieren, miteinander spielen und diskutieren. An verschiedenen Stationen findet ihr praktische Texte und Werkzeuge, um zu lernen und ins Gespräch zu kommen.

Veranstaltungs­programm

Im Mittelpunkt des Raums stehen Informationen zu Straßenumbenennungen und Aktivismus der jüngeren Geschichte und Gegenwart. Dazu organisieren wir ein vielfältiges Debattenprogramm, gefördert durch den Projektfonds Kulturförderung Friedrichshain-Kreuzberg.

Die WERKSTADT eröffnet so Besuchenden, Anwohnenden und Kiezinitiativen den musealen Raum für Austausch und Kreativität. An verschiedenen Veranstaltungsabenden werden aktuelle Umbenennungsprozesse sowie historische Forschungen einem breiten Publikum vorgestellt. Folgende Termine können wir schon ankündigen:

Bevorstehende Veranstaltungen

  • WERKSTADT­GESPRÄCH über Ernst Moritz Arndt mit Hannah Lotte Lund

    5.11.26 (18-19 Uhr)

    Wie problematisch ist die Arndtstraße? Die 1879 benannte Straße ehrt Ernst Moritz Arndt (1769–1860), Professor für Philosophie und Geschichte in Greifswald und Bonn und Vertreter der nationalen Einheitsbewegung, der er mit dem Lied „Was ist des Deutschen Vaterland” die inoffizielle Hymne lieferte. Nach seinem Tod 1860 wurde Arndt als Lyriker der Befreiungskriege geehrt und 1899 wurde eine Büste von ihm im Viktoriapark aufgestellt. Heute ist er auch für seinen antifranzösischen und aggressiven Nationalismus und antisemitische Äußerungen in Werken und Briefen bekannt. Die Nationalsozialisten nutzten Arndts Werk propagandistisch, etwa in kurzen Zitaten auf Postkarten.

    Hannah Lotte Lund hat sich intensiv mit der Biografie und insbesondere der Rezeption des Schriftstellers im Nationalsozialismus auseinandergesetzt und spricht mit Clara Westendorff am 5. November über ihre Forschung.

  • Websession „Sangre de mi Sangre” mit dem Netzwerk gegen Feminizide:

    17.11.2026 (18-20 Uhr)

    Sangre de mi Sangre – übersetzt „Blut meines Blutes” ist eine 2019 initiierte Aktion des feministischen Colectiva Hilos in Guadalajara, Mexiko. Durch gemeinsames Fingerhäkeln soll auf Feminizide aufmerksam gemacht werden, wobei die roten Netze das durch patriarchale Gewalt vergossene Blut darstellen und gleichzeitig kollektiven Widerstand sichtbar machen. Seit 2024 beteiligt sich das Netzwerk gegen Feminizide an der Initiative und lädt in Vorbereitung auf den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November zur gemeinsamen Websession.

  • Mapping-Workshop mit Moses März

    27.11.2026 (18-20 Uhr)

    Wie lässt sich das der urbane Raum zwischen persönlichen Erfahrungen, historischen Spuren und stadtgesellschaftlicher Entwicklung kartieren? In diesem kollaborativen Workshop zeichnen die Teilnehmenden eigene Karten (englisch: maps). Dabei können sie ihre unterschiedlichen Perspektiven, persönlichen Geschichten und Erinnerungen sowie eigene Fragen an den Stadtraum ein- und zu Papier bringen.

    Angeleitet wird der Workshop von Moses März. In seiner Arbeit verbindet der Kulturwissenschaftler Kartografie mit dekolonialer Forschung und interessiert sich dafür, wie sich Geschichten, Bewegungen und Beziehungen in Karten erzählen lassen. Seine handgezeichneten Forschungskarten waren unter anderem auf der 12. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst zu sehen.

    Mapping bedeutet dabei mehr als das reine geografische Kartieren von Orten: Es kann unterschiedliche Perspektiven und Zeiten zusammenbringen, verborgene Verbindungen sichtbar machen und neue Zugänge zum Stadtraum eröffnen. Für den Workshop sind keine Vorkenntnisse erforderlich.

Abgeschlossene Veranstaltungen

  • Sitzung der Gedenktafel­komission

    30.06.26 (18 Uhr)

    Die Gedenktafelkomission ist in Friedrichshain-Kreuzberg das Gremium, dass über Straßenumbenennungen entscheidet. Grundsätzlich sind die Sitzungen öffentlich, was wenige Menschen wissen. Am 30. Juni fand sie deshalb in der WERKSTADT statt, wo ihr zum Zuhören kommen konntet!

  • Filmscreening "Audre Lorde – The Berlin Years 1984 bis 1992"

    20.08.26 (18 Uhr)

    Die Teilnehmer*innenschaft des Filmscreenings

    Filmscreenings „Audre Lorde – The Berlin Years 1984 bis 1992“

    Am 20. August haben wir in der WERKSTADT den Film “Audre Lorde – the Berlin Years 1984 to 1992” gezeigt. Der Film beschäftigt sich mit Lordes Zeit in Berlin und ihrem prägenden Einfluss auf die entstehende afrodeutsche und afrofeministische Bewegung in Berlin und darüber hinaus. 2024 wurde ein Teil der Manteuffelstraße in Kreuzberg nach ihr benannt und damit die Erinnerung an ihr Wirken und ihren Einfluss dauerhaft im Berliner Stadtraum sichtbar gemacht. Das Filmscreening war sehr gut besucht!

  • UpStadt e.V. zum Umbenennungs­prozess vom Blücher- in Eva-Mamlok-Platz

    30.09.26 (18 Uhr)

    In der WERKSTADT wollen wir Initiativen aus dem Bezirk, die sich aktiv für den Stadtraum einsetzen, vorstellen. UpStadt e.V. war beim Umbenennungsprozess vom Blücher- in Eva-Mamlok-Platz beteiligt, die noch in diesem Jahr umgesetzt wird. Am 30. September haben sie  den zeitlichen Verlauf des Prozesses und über ihr Engagement auf dem Kreuzberger Dragonerareal berichtet.

  • Partizipative Führung und WERKSTADT­DEBATTE mit Straßenlärm Berlin e.V.

    17.10.26 (11-15 Uhr)

    Unser Vorstandsmitglied Clara Westendorff hat auch den historischen Ausstellungsteil „umbenennen?! Geschichte der Straßennamen in Friedrichshain-Kreuzberg” kuratiert. Am 17. Oktober lädt sie ein, zu einer partizipativen Ausstellungsführung im 3. OG des Museums. Bis 13:30 Uhr werden die Ausstellungsinhalte mit dem Begleitheft erschlossen und besprochen.

Gefördert duch die

Aus unserem Blog

Nahaufnahme eines der neuen Straßenschilder rund um den Martha-Ndumbe-Platz
Musikalischer Beitrag von Sauti é Haala bei der Einweihung© Aktives Museum
© Josepha Jendricke
Sogenannter Herero-Stein auf dem Friedhof am Columbiadamm, Berlin© 2018 Aschroet

Unsere Abschlusspräsentation zu Straßen, Plätzen und Denkmälern mit antiziganistischen Bezügen in Berlin

Am 17.10 fand die Präsentation unserer Projektergebnisse “Antiziganistische Straßen, Plätze und Denkmäler im Berliner Stadtraum" im Haus der Statistik statt.
© Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1992-0917-502 / CC-BY-SA 3.0

Die „Z*Mission“: Leerstellen im stadträumlichen Gedächtnis

Die Z*Mission der Berliner Stadtmission (1910–1940) zielte darauf ab, Sinti:zze und Rom:nja zu missionieren und war von antiziganistischen Haltungen geprägt. An verschiedenen Berliner Standorten, wie der Türkenstraße und Müllerstraße, wurden vor allem Kinder betreut. Die Missionsarbeit beruhte auf stereotypen, paternalistischen Ansätzen und trug indirekt dazu bei, dass die Nationalsozialisten leicht auf Informationen über Sinti:zze und Rom:nja zugreifen konnten, was deren Verfolgung erleichterte.
© Paula Rosenheimer - Amaro Drom

Interview mit Paula Rosenheimer vom Verbund Amaro Drom

Paula Rosenheimer von Amaro Drom arbeitet mit Jugendlichen, um den Berliner Stadtraum aus alternativen, migrantischen Perspektiven zu entdecken. Im Interview spricht sie über das Projekt "Amen tumenca ko Berlin", das junge Menschen zusammenbringt, um Themen wie Antiziganismus, Flucht und Migration auf kreative Weise zu erkunden und eine neue Form der Gemeinschaft zu fördern.
© Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1992-0917-502 / CC-BY-SA 3.0

Geschichte und Gegenwart von Sinti:zze und Rom:nja in Berlin

Die Politik gegenüber Sinti:zze und Rom:nja wurde ab der Reichsgründung immer restriktiver. Institutionen wie die „Zigeunerzentrale“ und die „Zigeunerkonferenz“ festigten die Diskriminierung. Auch in der Weimarer Republik setzte sich diese fort, trotz verfassungsmäßiger Rechte, mit der Einführung spezieller Ausweise und willkürlichen Verhaftungen.