Dönhoffstraße
Karlshorst
Die Dönhoffstraße ist nach dem preußischen Politiker August Karl Graf von Dönhoff-Friedrichstein (1845–1920) benannt, der als Vertreter der Deutschkonservativen Partei und als Gründungsmitglied der Deutschen Vaterlandspartei, die mit rechtsextremen und antisemitischen Ideologien, den Rechtsradikalismus während der Weimarerer Republik förderte.
Dieser Beitrag wurde zuerst zur Eitelstraße in Lichtenberg in „An wen wollen wir erinnern? Widerständige Frauen gegen den Nationalsozialismus in Lichtenberg und umkämpfte Erinnerungen im öffentlichen Raum. Workshop und Bildungsmaterialien“ veröffentlicht, einem Projekt des Runden Tisches für Politische Bildung Lichtenberg in Kooperation mit Fritzi Jarmatz (Visuelle Kommunikation & Ideenräume), Trille Schünke-Bettinger (Antifaschistinnen aus Anstand & Netzwerk Frauentouren) und Straßenlärm Berlin e.V.
Wer war August von Dönhoff?
August von Dönhoff stammte aus dem ostpreußischen Zweig der Familie Dönhoff. Sein Vater, August Heinrich Hermann von Dönhoff, war Diplomat und preußischer Außenminister, seine Mutter Pauline, geborene Gräfin von Lehndorff. Aufgewachsen auf Schloss Friedrichstein bei Königsberg, besuchte er das Kneiphöfische Gymnasium und studierte anschließend Rechtswissenschaften in Bonn. Früh trat er in den Militärdienst ein, nahm als Major am Deutschen Krieg von 1866 und am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 teil. Danach schlug er eine diplomatische Karriere ein.
Nach dem Tod seines Vaters 1874 erbte er dessen Sitz im Preußischen Herrenhaus und zog 1881 als Mitglied der Deutschkonservativen Partei in den Reichstag ein. 1894 verließ er die Partei, engagierte sich jedoch weiterhin politisch. 1917 gehörte er zu den Mitbegründern der Deutschen Vaterlandspartei. Dönhoff starb 1920 im Alter von 75 Jahren.
Warum wurde die Straße nach ihm benannt?
August Graf von Dönhoff war ab 1891 Mitbegründer der gemeinnützigen Vereinigung Eigenhaus, die Bauland in Karlshorst für Eigenheime erschloss. Dönhoff engagierte sich dabei nicht nur organisatorisch, sondern auch finanziell: 1894 schloss er mit Mitgliedern des Hochadels eine Vereinbarung, bei der jeder 53.000 Mark einbrachte. Es wurden insgesamt 27 preiswerte Häuser errichtet, darunter die sogenannten „Kaiserhäuser“ in der Gundelfinger Straße und der Hentigstraße. Mit der Benennung der Straße nach ihm sollte er dafür geehrt werden.
Was ist die Problematik?
Dönhoff war von 1881 bis 1894 Reichstagsabgeordneter der Deutschkonservativen Partei (DKP). Die Partei war zum Teil antisemitisch geprägt und setzte im Reichstagswahlkampf 1881 stark auf antisemitische Propaganda. 1917 war Dönhoff außerdem Mitbegründer der Deutschen Vaterlandspartei (DVP). Diese Partei propagierte im Ersten Weltkrieg eine kompromisslose Durchhaltepolitik und den „Siegfrieden“. Ihr Ziel war klar: Sie wollte einen Sieg Deutschlands, Reformpolitik beenden, den Reichstag auflösen und den Reichskanzler durch ihr eigenes Parteimitglied Alfred von Tirpitz ersetzen. Die Partei griff dabei Gedanken aus konservativen, völkischen, nationalistischen und antisemitischen Bewegungen auf. Man sieht sie heute als Verbindung zwischen der rechten Politik im wilhelminischen Kaiserreich und dem Rechtsradikalismus nach dem Ersten Weltkrieg. Die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) ging nach 1918 unter anderem aus der Deutschen Vaterlandspartei und der Deutschkonservativen Partei hervor.
Fazit
Die Dönhoffstraße wurde nach August von Dönhoff benannt, weil er sich lokal für den Bau von Eigenheimen in Karlshorst eingesetzt hat. Gleichzeitig vertrat er aber auch politisch rechte, antisemitische und kriegstreiberische Ansichten.
Stand der Umbenennung
Eine Umbenennungsdebatte rund um die Dönhoffstraße hat bis heute kaum stattgefunden. Lediglich das im Oktober 2021 veröffentlichte Dossier von Felix von Saßmannshausen, welches Straßen-und Platznamen mit antisemitischen Bezügen thematisiert, hat auf die Problematik des Straßennamen hingewiesen und sich „gegebenenfalls“ für eine Umbenennung ausgesprochen.
Literatur
Literatur
- Hagenlücke, Heinz: Deutsche Vaterlandspartei. Die nationale Rechte am Ende des Kaiserreichs, Düsseldorf 1997.
- Hopp, Andrea: Auf Stimmenfang mit Vorurteil. Antisemitismus im Wahlkampf, in: Lothar Gall, Lothar (Hg.): Regierung, Parlament und Öffentlichkeit im Zeitalter Bismarcks, S. 263-280, Paderborn 2003.
- Sassmannshausen, Felix von: Straßen- und Platznamen mit antisemitischen Bezügen in Berlin. 2021, URL: https://img.welt.de/bin/Dossier_bn-235636290.pdf, 01.09.2025.
Internet
- Deutsche Nationalbibliothek (Hg.): August von Dönhoff, URL: https://portal.dnb.de/opac/showFullRecord?currentResultId=august+and+von+and+d%C3%B6nhoff%26any¤tPosition=1, 06.09.2025.
- Kauperts (Hg.): Dönhoffstraße, URL: https://berlin.kauperts.de/Strassen/Doenhoffstrasse-10318-Berlin#Geschichte, 04.09.2025.
- Kulturring Berlin (Hg.): Ein neuer Beitrag zur Entstehung der Villencolonie Karlshost, URL: https://www.kulturring.berlin/archiv/artikel?cHash=1c1dd1878e87f4c485d501e9cba16279&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Bnews%5D=1043&utm_source=chatgpt.com, 05.09.2025.
- LeMo (Hg.): Die Deutschnationale Volkspartei (DNVP), URL: https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/dnvp, 06.09.2025.
- Parlamentarierportal (Hg.): August Graf-Comte Doehnhoff, URL: https://www.bioparl.de/datenbanken/biorabkr/biorabkr-db/?id=489, 04.09.2025.



