Ernst-Haeckel-Straße
Kaulsdorf
Die Ernst-Haeckel-Straße wurde 1909 nach Ernst Haeckel (1834-1919) benannt. Haeckel war Zoologe, Biologe und Philosoph und veröffentlichte mehrere Werke, in denen er die darwinistische Lehre auf den Menschen bezog und sie rassistischRassismusDer Begriff Rassismus lässt sich als ein Diskriminierungsmuster und Ausdruck gesellschaftlicher Machtverhältnisse beschreiben. In modernen Gesellschaften sind es vor allem kulturelle Merkmale, über die Menschen abgewertet und ausgeschlossen werden. Das hat Auswirkungen auf die Wahrnehmung von Chancen und die Möglichkeiten der gesellschaftlichen Integration der Betroffenen. klassifizierte.
Ernst Haeckel studierte zunächst in Berlin, Würzburg und Wien Medizin, wandte sich jedoch zunehmend der Zoologie zu, in der er später auch promovierte. Sein Interesse galt insbesondere der vergleichenden Anatomie sowie dem Ursprung und der Weiterentwicklung von Lebewesen. In diesem Zusammenhang kam er erstmals mit der darwinschen Evolutionstheorie in Kontakt, etwa ein Jahr nach deren Veröffentlichung 1859 von Charles Darwin (1809-1882) in seinem Werk „On the Origin of Species by Means of Natural Selection“.
Bereits kurze Zeit später begann Haeckel an seinem damaligen Lehrstuhl in Jena Vorlesungen über Darwins Theorien zu halten und trug zu deren Verbreitung in Deutschland bei. In dieser Phase begann er zudem, die Theorie konsequent auf den Menschen zu übertragen
Frühwerke
Dabei ordnete er den Menschen in das Tierreich ein, eine Stufe über den Affen, und formulierte die These, dass der Mensch von den Catarrhinen (Altweltaffen) abstamme. 1866 veröffentlichte er sein Werk „Generelle Morphologie“, dass die Grundlage seines Systems bildet. Darin entwickelte er seine Überlegungen weiter, indem er den Menschen – trotz seiner grundsätzlichen Einordnung an der Spitze der Entwicklung – in mehrere Entwicklungsstufen gliederte und insgesamt zehn Menschenarten unterschied und hierarchisierte.
Diese unterteilte er in sogenannte Menschenrassen. So steht laut Haeckel beispielsweise der Affen-Mensch (Homo primigenius) an unterster Stelle, gefolgt vom Papua-Menschen (Homo papua), während der Weiße Mensch (Homo caucasicus) an oberster Stelle verortet wird. Aus diesem evolutionsbiologischen Ansatz ergibt sich eine wertende Einteilung in „höhere“ und „niedere“ Menschen, die als Grundlage späterer Rassentheorien gilt und einen Übergang vom auf die Tierwelt bezogenen Darwinismus zum Sozialdarwinismus markiert.
Monismus und Folgewerke
Diese Weltanschauung bezeichnete Haeckel als Monismus, womit er ein rein naturwissenschaftlich geprägtes Verständnis der Welt verband. Demnach seien alle Wissenschaften, einschließlich der Geisteswissenschaften, letztlich Naturwissenschaften. Daraus ergibt sich eine weitgehende Biologisierung des Menschen, bei der soziale und kulturelle Faktoren der Entwicklung in den Hintergrund treten. 1906 gründete Haeckel den „Deutschen Monistenbund“. Etwa zur gleichen Zeit wurde er Ehrenmitglied der von Alfred Ploetz gegründeten „Gesellschaft für Rassenhygiene“.
In diesem Kontext stellte er seine „Dreißig Thesen zur Organisation des Monismus“ vor, die unter anderem die Trennung von Kirche und Staat sowie ein obligatorisches Gesundheitszeugnis bei Eheschließungen vorsahen. Diese Überlegungen wurden später von eugenischen Ansätzen aufgegriffen.
In seinen folgenden Arbeiten führte Haeckel seine zentralen anthropologischen Aussagen zum „Ursprung und Stammbaum des Menschen“ weiter aus. Dabei erweiterte er die Ahnenreihe auf zwölf Arten und 36 Rassen, wobei er den „echten“ beziehungsweise sprechenden Menschen an die Spitze der Entwicklung stellte. Sein System basiert auf Merkmalen wie Haarstruktur und Schädelbeschaffenheit und bildet die Grundlage für seine sozialdarwinistische Deutung. Er übertrug die Prinzipien des Darwinismus auf gesellschaftliche Entwicklungen und leitete daraus ab, dass sich „höhere“ Menschenarten im Verlauf des „Kampfes ums Dasein“ gegenüber anderen durchsetzen würden.
In diesem Zusammenhang prognostizierte er, dass von ihm als „niedere“ bezeichnete Gruppen, darunter etwa Amerikaner, Polynesier und Alfurus (Neuholländischer Mensch), langfristig im Rahmen natürlicher Prozesse verschwinden würden. Diese Annahmen werden unter anderem kritisch betrachtet, da sie zur biologischen Legitimation kolonialer Gewalt herangezogen werden konnten.
Spätwerke
In seinen Spätwerken ab dem 20. Jahrhundert lassen sich kaum neue anthropologische Ansätze erkennen; vielmehr wiederholte Haeckel vielfach frühere Positionen, während sich sein Schwerpunkt zunehmend von empirischer Forschung hin zu interpretativen und weltanschaulichen Deutungen verlagerte. In seinem Werk „Die Lebenswunder“ (1904) treten verstärkt rassenhygienische Überlegungen auf. Darin diskutiert er unter anderem den Umgang mit als „lebensunwert“ bezeichnetem Leben, etwa bei psychisch oder chronisch Kranken sowie Aussätzigen, und thematisiert auch aktive Lebensverkürzungen. Zudem erhält seine hierarchische Einteilung von Menschen ab Beginn des Ersten Weltkriegs einen stärker national geprägten Ton.
So spricht er von „niederen farbigen Menschenrassen“ und beschreibt die „weiße Rasse“ als kulturell überlegen sowie von einem Abstand zwischen den „höchstentwickelten europäischen Völkern“ und den „niedrigst stehenden Wilden“. Insgesamt zeigt sich hier eine Verschiebung von einer ursprünglich biologisch argumentierenden Anthropologie hin zu einer stärker ideologisch geprägten Deutung.
Haeckels Werke wurden später vielfach als Grundlage für verschiedene Ideologien herangezogen, insbesondere im Kontext des Nationalsozialismus, wo sie in Teilen zur Begründung der NS-Rassenlehre dienten.
Text von Paula Suerkemper
Literatur
- Universität Jena: Kritische Perspektive. Abrufbar im Internet: URL: https://www.bio.uni-jena.de/20988/kritische-perspektive. Abrufdatum: 21.03.2026.
- Freie Universität Berlin: Ernst Haeckel. Abrufbar im Internet: URL: https://www.bcp.fu-berlin.de/biologie/ethik-tool-box/scientific-racism—zeilenbasiert/problematische-Forscher_innen/FAQ-prob_-Forscher_innen/1_-Ernst-Haeckel.html. Abrufdatum: 21.03.2026.
- Levit, Georgy S./Hoßfeld, Uwe: Ernst Haeckel, Nikolai Miklucho-Maclay and the racial controversy over the Papuans. In: Frontiers in Zoology, Nr. 17:16, 2020, S.1-20.
- Kappeler, Manfred: Der schreckliche Traum vom vollkommenen Menschen – Rassenhygiene und Eugenik in der Sozialen Arbeit. 2000, S. 120–150.
- Hoßfeld, Uwe/ Levit, Georgy S.: Ernst Haeckel und die Frage nach der Herkunft und dem Stammbaum des Menschengeschlechts. In: Porges, Karl (Hrsg.): Den Begriff „Rasse“ überwinden. Die „Jenaer Erklärung“ in der (Hoch-)Schulbildung. Bad Heilbrunn, 2023, S. 123-145.



