Waldowstraße
Hohenschönhausen
Die Waldowstraße wurde vor 1902 oder 1911 nach Wilhelm von Waldow (1856-1937) benannt, einem Landrat des Landkreises Niederbarnim und Mitglied in der nationalistischen und antisemitischen Deutschnationalen Volkspartei (DNVP).
Dieser Beitrag wurde zuerst in „An wen wollen wir erinnern? Widerständige Frauen gegen den Nationalsozialismus in Lichtenberg und umkämpfte Erinnerungen im öffentlichen Raum. Workshop und Bildungsmaterialien“ veröffentlicht, einem Projekt des Runden Tisches für Politische Bildung Lichtenberg in Kooperation mit Fritzi Jarmatz (Visuelle Kommunikation & Ideenräume), Trille Schünke-Bettinger (Antifaschistinnen aus Anstand & Netzwerk Frauentouren) und Straßenlärm Berlin e.V.
Drei Straßen ehren Waldow
In Lichtenberg ehren drei Straßen den Politiker Hans August Wilhelm von Waldow (1856-1937). Zunächst wurde 1900 die Waldowallee in Karlshorst benannt. Hinzu kam die Verlängerte Waldowallee, wann genau, ist unklar. 1902 oder 1911, je nach Quellenlage, wurden im Oranke-Viertel in Alt-Hohenschönhausen Straßen nach den Landräten des Kreis Niederbarnim, zu dem das Gebiet zu diesem Zeitpunkt noch gehörte, benannt. So entstanden die Roeder- , Scharnweber-, Treskow-, und Waldowstraße. Da Hohenschönhausen und Lichtenberg vereinigt wurden, ehren momentan drei Straßen im Bezirk Wilhelm von Waldow.
Wer war Waldow?
Waldow studierte in Straßburg, Göttingen und Berlin Rechts- und Staatswissenschaften. Von 1892 bis 1898 war er Landrat des Kreises Niederbarnim. Als Landrat war er für die Genehmigung der Gründung der Villenkolonie Karlshorst mit dem „Koloniekonsens“ zuständig, den er am 25. Mai 1895 unterzeichnete. 1898 wurde Waldow zum Oberpräsidialrat befördert und 1899 Regierungspräsident des Regierungsbezirks Königsberg in Ostpreußen, ein Gebiet, das heute zu Russland gehört. Dort blieb er nicht lange, denn schon 1903 wurde er Oberpräsident von Posen und 1911 von Pommern. 1917 und 1918 wurde er Staatssekretär und Königlich preußischer Staatsminister im Ministerium für Ernährung. Außerdem war Waldow Kurator der Königlichen Akademie in Königsberg, Präsident der Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft zu Posen und stellvertretender Vorsitzender der Ansiedelungskommission für Westpreußen und Posen.
Karriere in der Weimarer Republik
1920 bis 1923 war er Abgeordneter der Wirtschaftlichen Vereinigung im Parlament in Mecklenburg-Strelitz. Von 1923 bis 1927, 1927 bis 1928 und 1928 bis 1932 war er dort jedoch für die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) vertreten. Die DNVP war nationalistisch und gegen die Verfassung der Weimarer Republik eingestellt. Sie lehnten den Versailler Vertrag, der nach dem Ende des Ersten Weltkriegs geschlossen wurde, strikt ab. In der Partei vertraten Personen wie Alexander Freiherr von Freytag-Loringhoven (1878-1942) offen antisemitische Positionen und machten damit Wahlwerbung. 1929 organisierte die DNVP außerdem mit der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) einen Volksentscheid gegen den Young-Plan, durch den die Reparationszahlungen nach dem Ersten Weltkrieg geregelt waren. Das bedeutet, dass die Partei die Zahlungen, die das Deutsche Reich an die Siegermächte des Kriegs zahlen musste, senken wollte. Der Plan scheiterte zwar, allerdings verhalf die DNVP der NSDAP dadurch zu mehr Popularität, was sich an den Wahlen 1930 zeigte. 1933 schloss sich die DNVP in einer Koalition mit der NSDAP zusammen, wodurch sie der Partei zur Macht verhalfen.
Fazit
Was genau Waldows Haltung zu diesen Themen war, lässt sich nicht genau sagen. Da er jedoch von 1923 bis 1932 die DNVP im mecklenburgischen Landtag vertrat liegt es nahe, dass er ähnlich wie seine Parteikollegen zu Antisemitismus und Nationalsozialismus stand. Was von seinen Aktivitäten im Landtag bekannt ist, dass er sich 1922 im Einklang mit der Haltung seiner Partei gegen die Einführung des 1. Mai als Feiertag aussprach.
Literatur
Literatur
- Kaeber, Ernst (Hg.): Lichtenberg. Bausteine zur Geschichte eines Weltstadt-Bezirks. Berlin 1935.
- Nitschke, Günter: Hohenschönhausen, in: Gärtner, Karl-Heinz/ Nitschke, Günter/ Rautenberg, Ines/ Speer, Christine/ Thurn, Joachim/ Uhlig, Judith/ Wolterstädt, Kurt/ Zech, Hermann (Hg.): Berliner Straßennamen. Ein Nachschlagewerk für die östlichen Bezirke, Berlin 1995.
- Schröder, Wilhelm Heinz; Weege, Wilhelm; Zech, Martin (Hg.): Kollektive Biographie der Landtagsabgeordneten der Weimarer Republik 1918-1933: Auszug aus der BIOWEIL-Datenbank, URL: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-446806, 01.09.2025.
- Sassmannshausen, Felix von: Straßen- und Platznamen mit antisemitischen Bezügen in Berlin. 2021, URL: https://img.welt.de/bin/Dossier_bn-235636290.pdf, 01.09.2025.
Online
- Berlingeschichte (Hg.): Waldowstraße, URL: https://berlingeschichte.de/strassen/bez16h/w73.htm, 01.09.2025.
- bpd (Hg.): Deutschnationale Volkspartei (DNVP), URL: https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/politiklexikon/17349/deutschnationale-volkspartei-dnvp/, 01.09.2025.
- Kauperts (Hg.): Waldowstraße, URL: https://berlin.kauperts.de/Strassen/Waldowstrasse-13053-Berlin?query=Waldowstra%C3%9Fe+, 01.09.2025.
- Landesarchiv Mecklenburg-Vorpommern (Hg.): Als der 1. Mai in Mecklenburg-Strelitz Feiertag werden sollte, URL: https://www.kulturwerte-mv.de/Landesarchiv/Archivalien/Bisherige-Beitr%C3%A4ge/2024-05-erster-mai-mecklenburg-strelitz-feiertag/, 01.09.2025.
- LeMo (Hg.): Die Deutschnationale Volkspartei (DNVP), URL: https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/dnvp, 01.09.2025.



