Walkürenstraße
Karlshorst
Die Walkürenstraße wurde 1910 nach einer Oper von Richard Wagner benannt (1813-1883), der seine antisemitische Weltanschauung auch in seine Opern einfließen ließ.
Dieser Beitrag wurde zuerst in „An wen wollen wir erinnern? Widerständige Frauen gegen den Nationalsozialismus in Lichtenberg und umkämpfte Erinnerungen im öffentlichen Raum. Workshop und Bildungsmaterialien“ veröffentlicht, einem Projekt des Runden Tisches für Politische Bildung Lichtenberg in Kooperation mit Fritzi Jarmatz (Visuelle Kommunikation & Ideenräume), Trille Schünke-Bettinger (Antifaschistinnen aus Anstand & Netzwerk Frauentouren) und Straßenlärm Berlin e.V.
Worum geht es in Die Walküre?
Die Walküre ist Teil der sogenannten „Tetralogie“ Der Ring des Nibelungen, bestehend aus Das Rheingold (Vorabend), Die Walküre (Erster Tag), Siegfried (Zweiter Tag) und Götterdämmerung (Dritter Tag). Die Walküre wurde 1870 in München uraufgeführt. Der gesamte Zyklus kam 1876 bei den ersten Bayreuther Festspielen vollständig zur Aufführung. Die Walküre erzählt die Geschichte von den Zwillingen Siegmund und Sieglinde, Kindern des Göttervaters Wotan. Sie erkennen sich erst spät als Geschwister, verlieben sich ineinander und zeugen ein Kind: den Helden Siegfried. Doch Wotans Frau Fricka fordert Strafe für den Ehebruch und den Inzest. Wotan muss gehorchen und greift selbst ein; Siegmund stirbt. Sieglinde kann mit dem zerbrochenen Schwertfragment ihres Ehemanns Hunding entkommen. Die Walküre Brünnhilde, Wotans Lieblingstochter, die Siegmund helfen wollte, wird für ihren Ungehorsam bestraft: Wotan nimmt ihr die Göttlichkeit, versetzt sie in Schlaf und umgibt sie mit einem Feuer, das nur ein furchtloser Held durchbrechen kann.
Warum wurde die Straße danach benannt?
Die Kolonie Karlshorst wurde 1895 gegründet und in den folgenden Jahren von mehreren Bau- und Bodengesellschaften ausgebaut, darunter die Heimstätten AG, die Bodengesellschaft GmbH, und die Bauvereinigung Eigenhaus, eine vom Hochadel getragene Baugemeinschaft. Die Walkürenstraße erhielt ihren Namen 1910, als in Karlshorst viele neue Straßen angelegt wurden und benannt werden mussten. 1910 wurden insgesamt 22 Straßen neu benannt. Man vergab Namen oft nach thematischen Gruppen für eine bessere Orientierung und einen Wiedererkennungswert, so befinden sich in der Nähe der Walkürenstraße ebenfalls die Rienzi- und Tannhäuserstraße, die auch nach Wagner-Opern benannt sind. In Lichtenberg gab es ebenfalls bereits ein Wagnerviertel.
Was ist die Problematik?
Der Komponist Richard Wagner (1813-1883) veröffentlichte 1850, zunächst unter dem Decknamen „K. Freigedank“ seinen Aufsatz Das Judentum in der Musik, in der er antijüdische Vorurteile verbreitete. Darin stellte er sich selbst als Opfer der „Musikjuden“ dar. Außerdem unterstellte er jüdischen Personen, die erfolgreich im Kulturbereich arbeiteten, diesen Erfolg nur wegen ihres Geldes zu haben. Er beschrieb die Sprache und das Aussehen von jüdischen Personen als abstoßend und abscheulich.
In Die Walküre gibt es zwar keine jüdisch codierten Figuren, doch die Oper enthält laut Paul Lawrence Rose eine indirekte Kritik am Judentum. Wenn Siegmund seine Schwester Sieglinde aus der Ehe mit Hunding entreißt, verstößt er eigentlich gegen geltende bürgerliche Ehegesetze. Wagner verstand diese Gesetze, wie er in seinem Braunen Buch festhielt, als Fehlinterpretation der jüdischen Zehn Gebote, die er für „weltlich“ und „jüdisch-dumm“ hielt. Besonders das Verbot des Ehebruchs empfand er als falsch, was laut Rose auch etwas mit Wagners eigenem Liebesleben zu tun haben könnte.
Fazit
Die Benennung der Walkürenstraße ist problematisch, weil sie ein Werk von Richard Wagner ehrt. Wagner verbreitete nicht nur selbst Judenhass in seinen Schriften, sondern ließ seine antisemitische Weltanschauung auch in seine Opern einfließen. Damit ehrt die Straße nicht nur einen bedeutenden Komponisten, sondern zugleich einen der einflussreichsten Vertreter des modernen Antisemitismus. Auch wenn man den Künstler Wagner von seinen Opern trennen würde, verbreiten die Opern unabhängig von ihm antijüdische Inhalte.
Literatur
Literatur
- Gärtner, Karl-Heinz; Nitschke, Günter; Rautenberg, Ines; Speer, Christine; Thurn, Joachim; Uhlig, Judith; Wolterstädt, Kurt; Zech, Hermann (Hg.): Berliner Straßennamen. Ein Nachschlagewerk für die östlichen Bezirke, Berlin 1995.
- Rose, Paul Lawrence: Richard Wagner und der Antisemitismus, Zürich 1999.
Internet
- Bayern Online (Hg.): Opern, URL: https://bayern-online.de/bayreuth/erleben/kultur/richard-wagner-festspiele/wagnerportal/wissen/opern/, 06.09.2025.
- Vgl. Richard-Wagner-Verband International e.V. (Hg.): Der Ring des Nibelungen, URL: https://www.richard-wagner.org/rwvi/de/richard-wagner/werke/?collection_id=915, 06.09.2025.
- Vgl. Richard-Wagner-Verband International e.V. (Hg.): Die Walküre, URL: https://www.richard-wagner.org/rwvi/de/richard-wagner/werke/?collection_id=118, 06.09.2025.



